Ruhe vor dem Sturm. Postminimalistische Kunst aus dem Rheinland

Wie das Bild eines Lesenden am Fenster, Schattenversion in Kartonform dreifach
Harald Klingelhöller
Wie das Bild eines Lesenden am Fenster, Schattenversion in Kartonform dreifach
2010
Stahlblech, schwarz pulverbeschichtet
204 x 174 x 70 cm
Courtesy the Artist
Drei Quader
Imi Giese
Drei Quader
1968
Pressspan, Hartfaserplatten, Graphit, 3-teilig
je 60 x 110 x 110 cm, Abstand jeweils 110 cm
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz
13. September 2015 - 10. Januar 2016

mit Arbeiten von Joseph Beuys, Isa Genzken, Ludger Gerdes, Imi Giese, Harald Klingelh√∂ller, Imi Knoebel, Erinna K√∂nig, Meuser, Reinhard Mucha, C.O. Paeffgen, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Reiner Ruthenbeck, Thomas Sch√ľtte, YŇęji Takeoka und Rosemarie TrockelMit der Ausstellung Ruhe vor dem Sturm untersuchte das Museum Morsbroich den Einfluss, den die Minimal Art seit dem Ende der 1960er Jahre auf die rheinischen K√ľnstlerinnen und K√ľnstler aus√ľbte. Zum ersten Mal in der Kunstgeschichte rezipierten damals europ√§ische K√ľnstler einen Stil, der ohne kontinentale Vorbilder und Einfl√ľsse in den Vereinigten Staaten entwickelt worden war. Es handelte sich um eine heftige Auseinandersetzung, die von Respekt und Begeisterung, aber auch von einem selbstbewussten Umdeuten und Konterkarieren der amerikanischen Positionen zeugte.Seit dem Jahr 1965 ist der Begriff Minimal Art f√ľr eine Kunstrichtung gebr√§uchlich, die vor allem im Bereich der Skulptur auf ein √§u√üerstes reduziertes Formenvokabular setzt. Rechtecke, Kuben, das Prinzip der Wiederholung, eine am menschlichen Ma√ü orientierte Gr√∂√üe und der Gebrauch von industriell vorgefertigten Materialien sind ihre Kennzeichen. Minimalistische Kunstwerke sind ‚Äěspezifische Objekte‚Äú (Donald Judd), das hei√üt, sie beziehen sich auf keine Vorbilder, Ideologien, Hierarchien oder spezialisierte Fertigkeiten wie zum Beispiel ein besonderes handwerkliches K√∂nnen. Spezifische Objekte sind einfach, nachvollziehbar und bedeuten nichts anderes als sich selbst.Im Jahr 1969 zeigt die Kunsthalle D√ľsseldorf die Ausstellung Minimal Art, die im Vorjahr bereits im Gemeentemuseum in Den Haag zu sehen war. Vor allem an der Kunstakademie D√ľsseldorf wird der radikale Auftritt der Minimalisten diskutiert. Sigmar Polke ironisiert die neue Richtung sofort, indem er sie in das ‚Äöalte‚Äė Medium der Malerei √ľbertr√§gt und als zentrales Bildmotiv eine Reihe von Delfter Kacheln ausw√§hlt (Carl Andre in Delft, 1968). Vor allem in der Klasse von Joseph Beuys trifft der Minimalismus auf K√ľnstler, die bereits an der stereometrischen Malerei Kazimir Malewitschs geschult sind: Imi Knoebel, Imi Giese und Blinky Palermo. Und Joseph Beuys selbst, der schon fr√ľh mit einfachen, kr√§ftigen Formen und industriellen Produkten gearbeitet hat, verarbeitet den minimalistischen Stil, indem er seine Komponenten mit W√§rme, Bedeutung und Materialit√§t aufl√§dt.Auf diesem Weg entwickelt sich eine besondere rheinische Form des Postminimalismus ‚Äď empathisch, humorvoll und zitierfreudig ‚Äď die sp√§ter bei der Ausformulierung der Postmoderne im Rheinland und den USA eine eigene treibende Rolle spielen wird.Kuratoren der Ausstellung waren Markus Heinzelmann und Stefanie Kreuzer

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