Eddie Murphy und die Milk-Brothers. Schenkungen fĂŒr die Sammlung
Grafiketage / SammlungsrÀume

13. September 2015 - 23. Februar 2016

2015 erhielt das Museum Morsbroich eine große Papierarbeit des tĂŒrkisch-amerikanischen KĂŒnstlers Burhan Doğançay als Schenkung. Die Collage mit dem Titel Eddie Murphy and Welfare Scums (1988) bildet zusammen mit einem aus Privatbesitz geliehenen GemĂ€lde von Doğançay den Ausgangspunkt einer PrĂ€sentation von Schenkungen der letzten zwei Jahre im Kontext der Sammlung des Museums.

Burhan Doğançay (Istanbul 1929–2013), der zunĂ€chst in Paris Wirtschaftswissenschaften studierte, sich dann aber ganz der Kunst widmete und als Maler und Fotograf in New York und Istanbul arbeitete, war Zeit seines Lebens von Mauern fasziniert. Diese betrachtete er als stĂ€ndig wechselndes Barometer der Gesellschaft und legte ein großes fotografisches Archiv stĂ€dtischer WĂ€nde und Fassaden in aller Welt an, das immer wieder als Inspirationsquelle fĂŒr seine Collagen diente.

In den SammlungsrĂ€umen der Grafiketage werden Doğançays Urban Walls zusammen mit ausgewĂ€hlten Werken der Sammlung prĂ€sentiert, die ebenfalls VersatzstĂŒcke des urbanen Alltags in ihre Werke aufnehmen. Gezeigt werden ein im Umfeld des ersten europĂ€ischen Happenings (Das Theater ist auf der Straße, 1958) entstandenes Plakatabriss-Bild von Wolf Vostell und die DĂ©collage ohne Titel (1960) des französischen Affichisten Jacques MahĂ© de la VilleglĂ©, eine Komposition aus gefundenen Fragmenten von PlakatwĂ€nden in Paris. ErgĂ€nzt wird die PrĂ€sentation durch druckgrafische Werke der 1960er und 1980er Jahre von Richard Lindner (Talk to me, 1964) und Eckhard Froeschlin (Die Russen kommen, 1987), die kritische Blicke auf das New Yorker Großstadtleben und Helden der amerikanischen Popkultur werfen.

Zu den in Auswahl prĂ€sentierten NeuzugĂ€ngen der Sammlung gehören außerdem Keramiken von Norbert Prangenberg (Schenkung Niels Dietrich), darunter Zeichnungen, die der KĂŒnstler auf Ofenplatten im Wechselspiel mit dort zufĂ€llig angesammelten Glasurresten fertigte. Aus einem umfangreichen Grafik-Konvolut aus Privatbesitz werden Druckgrafiken von Thomas Bayrle, Friedrich GrĂ€sel und Heinrich Ufer gezeigt. Bayrles Siebdruck Die Milk-Brothers melken die Kuh (1972) zeigt seriell aufgereihte Cowboys, die sich im Ornament der Masse zur Figur einer Kuh zusammensetzen. Wenn diese vielen BrĂŒder synchron ihre Lassos schwingen, rufen sie nicht das Bild des lonesome Cowboy sondern eher die Erinnerung an sozialistische MilitĂ€rparaden auf – etwa den Kult um Mao, den Heinrich Ufer in einem Linoldruck thematisiert (
 denn Mao ist die grĂ¶ĂŸte Sonne, 1968).

 

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