Museum Morsbroich
Eine visionĂ€re GrĂŒndung der Stadt Leverkusen

 

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Am 27. Januar 1951 wird das Museum Morsbroich als erste NeugrĂŒndung eines Museums fĂŒr Gegenwartskunst in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland feierlich eröffnet. Der kommissarische OberbĂŒrgermeister der Stadt Leverkusen, Landrat Wilhelm Dombois, fasst zu dieser Gelegenheit die Überlegungen des Rates und der eigens gebildeten Kunstkommission folgendermaßen zusammen:

„Die Stadt Leverkusen hatte Gelegenheit, das kunsthistorisch wertvolle, dem Baron von Diergardt gehörende Schloß Morsbroich auf 20 Jahre zu pachten, um es ausschließlich kulturellen Zwecken dienstbar zu machen. Der wesentliche Teil dieses Schlosses nimmt das stĂ€dtische Museum auf, fĂŒr das die Vorarbeiten schon geleistet und ein Kuratorium gebildet ist. Das Kuratorium hat sich die Aufgabe gestellt, (
) stĂ€ndige Ausstellungen lebender KĂŒnstler zu veranstalten, und allen Kunstrichtungen ohne Voreingenommenheit und einseitige Bevorzugung einzelner Gelegenheit zu geben, ihr Können zu zeigen und sich der Kunstkritik und auch dem Publikum zu stellen.“
Mit diesen Worten wurde das ‚Grundgesetz fĂŒr das Museum Morsbroich‘ formuliert, das der Kulturausschuss im Dezember 1952 noch einmal bestĂ€tigt, und das den legendĂ€ren Rang von Morsbroich als Heimat von junger, experimenteller und wegweisender Kunst begrĂŒndet.

Was man sich heute kaum mehr vorstellen kann: Das Kulturleben im Rheinland spielte sich nach den zwölf Jahren kĂŒnstlerischer Verarmung wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus zuerst vor allem im privaten Rahmen ab. In Alfter bei Bonn organisierte zum Beispiel die so genannte Donnerstagsgesellschaft von 1947 bis 1950 Ausstellungen, VortrĂ€ge, Diskussionsrunden und Konzerte – ebenfalls in den RĂ€umen eines barocken Schlosses. Mit der Eröffnung des Museum Morsbroich stellte sich Leverkusen daher an die Spitze einer kulturellen Bewegung, die darauf abzielte, die verfemte Moderne auch institutionell wieder in ihr Recht zu setzen und von der Gegenwartskunst Anregungen fĂŒr ein demokratisches Miteinander zu empfangen. Die Erfindung der Weltkunstausstellung documenta im Jahr 1955 beruhte genau auf diesem Konzept des Nachholens verlorener Jahre und einem visionĂ€ren Blick in die Zukunft.

AusstellungstÀtigkeit des Museum Morsbroich

Bis zum Jahr 1986 gab es in Nordrhein-Westfalen lediglich zwei Museen, die sich dem Thema Gegenwartskunst gewidmet hatten: die Kunstmuseen Krefeld und das Museum Morsbroich, Leverkusen. Mit ihrer besonderen Ausrichtung zogen die StĂ€dte Krefeld und Leverkusen weit ĂŒber die Grenzen des Bundeslandes hinaus GĂ€ste an.

Schon zur Zeit des Direktorats von Udo Kultermann (1959-1964) und daran anschließend wĂ€hrend der LeitungstĂ€tigkeit von Rolf Wedewer (1965-1995) hat das Museum Morsbroich zahlreiche legendĂ€re Ausstellungen organisiert, die den international herausragenden Ruf von Leverkusen als Museumsstadt festigten. Udo Kultermann zeigte 1960 die weltweit erste Museumsausstellung zur „Monochromen Malerei“. Er veranstaltete vom 5.-7. Mai 1961 die „Morsbroicher Kulturtage“ unter Beteiligung von Theodor W. Adorno, Max Bense, Helmut HeissenbĂŒttel u.v.a. Kultermann richtete 1962 die erste Retrospektive des Werks von Lucio Fontana aus und holte 1963 den jungen Architekten Oswald M. Ungers als Kurator nach Leverkusen, der Anfang der 1980er Jahre den Umbau und die Sanierung des Museums leitete. Rolf Wedewer machte unter anderem das Jahr 1969 zu einem unvergessenen Ausstellungsjahr, als er mit „Konzeption – Conception“ die weltweit erste Museumausstellung zur Konzeptkunst zeigte, die bis heute die Kunstproduktion dominiert, und mit der Ausstellung „RĂ€ume – environments“ das barocke Schloss in einen von KĂŒnstlern raumweise gestalteten  Parcours verwandelte.

1986 verĂ€nderte sich die Museumslandschaft in NRW grundlegend, als in DĂŒsseldorf die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ihren Neubau am Rand der hochfrequentierten Altstadt eröffnete und die Stadt Köln dem Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig einen reprĂ€sentativen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom und Hauptbahnhof errichtete. Beide HĂ€user sind – genauso wie das 1982 eröffnete Museum Abteiberg in Mönchengladbach – der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst gewidmet.

Programmatik von Museum Morsbroich

1. Curt Schweicher (1951-1958)


Die Programmatik des Museums hing seit seiner GrĂŒndung naturgemĂ€ĂŸ sehr stark von den jeweiligen Institutsleitern ab. Als erstberufener Direktor hat Curt Schweicher (1951-1956) die Vorgaben des Rates und der Kunstkommission energisch umgesetzt und sein Programm auf drei SĂ€ulen gegrĂŒndet:
1. Rheinische KĂŒnstler und KĂŒnstlervereinigungen wie zum Beispiel „Rheinische Sezession DĂŒsseldorf“ (1951), „Xaver Fuhr – Aquarelle“ (1952), „Bergische Kunstgenossenschaft Wuppertal“ (1952), „Anton Raederscheidt. ÖlgemĂ€lde, Aquarelle, Zeichnungen 1922 – 1952“ (1952), „Werkkunstschule Krefeld“ (1955) oder „ F.M. Jansen“ (1955)

2. Kunst anderer LĂ€nder wie zum Beispiel „Schweizer Graphik der Gegenwart“ (1951), „Englische Lithos und Monotypien“ (1953), „Industrie und Handwerk schaffen neues HausgerĂ€t in USA“ (1953), „Das neue Bauen in Holland“ (1953), „Fantastische Basler Malerei“ (1955), „Brasilien baut“ (1956) oder „Italienische Malerei heute“ (1956)

3. Kunst der Klassischen Moderne wie zum Beispiel „Vom Impressionismus bis zur Malerei der Gegenwart. Eine Wanderausstellung von Reproduktionen. Veranstaltet von der UNESCO“ (1951), „Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Haubrich“ (1953), „Oskar Moll“ (1954), „Fernand LĂ©ger“ (1955) oder „Robert Delaunay“ (1956)

Als bedeutendste Ausstellung unter der Ägide von Curt Schweicher kann eine Ausstellung gelten, in der alle drei Aspekte seiner Programmatik zusammentreffen: Ausgewanderte Maler (1955).

Curt Schweicher selbst beschreibt seine BeweggrĂŒnde fĂŒr die DurchfĂŒhrung dieser Ausstellung:
„Viele, denen Kunst ein Anliegen ist, wollten die KĂŒnstler einmal nebeneinander sehen, die Deutschland verlassen haben, sei es in dem Augenblick, in dem ihrer Kunst in Deutschland der Boden entzogen und ihr Leben gefĂ€hrdet wurde, sei es zu einer frĂŒheren Zeit, als der dem KĂŒnstlerischen eigene Drang zur Ausweitung die KĂŒnstler andere LĂ€nder und Metropolen aufsuchen ließ. (
).
Es sind auch KĂŒnstler nicht-deutscher Herkunft unter ihnen. Deutschland war fĂŒr sie entweder Durchgangsland oder Wahlheimat, die sie freiwillig aufgaben oder aufgeben mußten. So erinnert die Ausstellung an ein blĂŒhendes deutsches Kunstleben von einst, an ein sehr aufnahmebereites und aufnahmefĂ€higes deutsches Kunstleben, fĂŒr dessen ĂŒber der Frage nach der nationalen Herkunft stehenden Kunstenthusiasmus vielleicht die InternationalitĂ€t des Bauhauses Symptom und Symbol sein kann.“

Mit dieser Ausstellung vertieft Schweicher auch noch einmal den GrĂŒndungsgedanken der BĂŒrger Leverkusens, mit dem Museum ein Zeichen gegen die Barbarei der Nationalsozialisten und ihrer UnterdrĂŒckung der modernen Kunst zu setzen. Der Verkauf von Kunstwerken aus den öffentlichen Museen und der propagandistische und schließlich auch physische Druck auf die KĂŒnstler, Sammler und Museumsmitarbeiter, der zum Verlust herausragender KulturgĂŒter und zur Auswanderung und Ermordung von KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstlern fĂŒhrte: Mit dem Museum Morsbroich soll ein Zeichen gegen die Diktatur und ihre WassertrĂ€ger gesetzt werden, die Mensch und Kunst gleichermaßen verachteten.

2. Udo Kultermann (1959-1964)

Udo Kultermann vertrat von Beginn seiner Amtszeit eine ausgesprochen progressive Kunstauffassung und interessierte sich besonders fĂŒr grenzĂŒberschreitende Ausstellungen.1962 fasst er seine Überzeugungen folgendermaßen zusammen:
„Das Museum Morsbroich will also der Kunst wieder den lange verlorenen Platz in der Mitte der Gemeinschaft geben, also die Mauern des Museums niederreißen. Denn es ist absurd zu glauben, ein Museum bestehe um seiner selbst willen; es hat vielmehr genau bestimmbare Funktionen in der Gemeinschaft. Auch die Kunst ist nicht nur fĂŒr die Kunst da. Vom Blickpunkt der zeitgenössischen Kunst, die aus dem Chaos der sich ebenfalls wie Kunst gebĂ€rdenden Sinnlosigkeit herausgelöst werden muß, will Morsbroich den Versuch machen, eine neue Verantwortlichkeit fĂŒr Ordnung und Harmonie, neue GesetzmĂ€ĂŸigkeiten und MaßstĂ€be, eine neue Dynamik und einen neuen Rhythmus durch die Werke junger KĂŒnstler wirksam werden zu lassen fĂŒr alle die Menschen, die ebenfalls an einer Harmonisierung des Menschen und seiner Umwelt, der Menschen untereinander und der Menschen zum Kosmos interessiert sind. Es geht hier wie im gesellschaftlichen und im politischen Bereich um die Überwindung erstarrter Grenzen, um die Überwindung auch der Grenzen zwischen eben diesen verschiedenartigen Bereichen, um die Wiedereinbindung der Kunst in die RealitĂ€t unserer alltĂ€glichen Geschehnisse.“

In den fĂŒnf Jahren seines Direktorats (1959–1964) zeigte Kultermann unter anderem den Schweizer Architekten, KĂŒnstler und Designer Max Bill, der als Lehrer an der Kunstgewerbeschule ZĂŒrich und einer der GrĂŒnder der Ulmer Hochschule fĂŒr Gestaltung fĂŒr einen entgrenzten, politisch und gesellschaftlich engagierten Begriff des KĂŒnstlers stand. – Die legendĂ€re Ausstellung „Monochrome Malerei“, mit der Udo Kultermann im FrĂŒhjahr 1960 erstmals die Konzeption einer „neue[n] kunstlose[n] Kunst“ vorstellte, die „Ausdruck einer ĂŒber die Kunst hinausweisenden Vision unserer Gesellschaft“ sei. – Und den GrenzgĂ€nger Lucio Fontana, den Udo Kultermann vom 12. Januar bis zum 4. MĂ€rz 1962 mit seiner damals grĂ¶ĂŸten Retrospektive seines Werks im Museum Morsbroich zeigte.

Außerdem zeigte er „Roberto Crippa“ (1960), die Ausstellung „Ad Reinhardt, New York, – Francesco Lo Savio, Rom, – Jef Verheyen, Antwerpen“; er prĂ€sentierte 1961 eine von Yona Friedman kuratierte Ausstellung ĂŒber „Mobile Architektur“, veranstaltete im gleichen Jahr die interdisziplinĂ€r ausgerichteten „Morsbroicher Kunsttage“ unter Beteiligung von Theodor W. Adorno, Max Bense, Otto Mauer, Umbro Appollonio, Heinz-Klaus Metzger, der TĂ€nzerin Kaluza, Frei Otto, Norbert Kricke, Gerhard v. Graevenitz sowie Helmut HeissenbĂŒttel, Franz Mon und Hans G. Helms. 1962 zeigte er die große, vom Stedelijk Museum Amsterdam initiierte Retrospektive von Kasimir Malewitsch, mit der das Werk des russischen Suprematisten erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in das Bewusstsein einer grĂ¶ĂŸeren Öffentlichkeit gerĂŒckt wurde. Kultermann organisierte 1962 eine große Ausstellung ĂŒber den Konstruktivismus und prĂ€sentierte 1963 „Die glĂ€serne Kette. VisionĂ€re Architekten aus dem Kreis um Bruno Taut 1919–1920“, fĂŒr deren DurchfĂŒhrung er den jungen Oswald Mathias Ungers gewinnen konnte. In seinem Abschiedsjahr 1964 zeigte er unter anderem das zeichnerische Werk des sowjetischen Regisseurs Sergei Eisenstein und fĂŒhrte bei dieser Gelegenheit auch dessen Filme auf.

Dieser strikte interdisziplinĂ€re und auf eine grundlegende VerĂ€nderung der Gesellschaft zielende Ansatz stieß in der Bevölkerung immer wieder auf UnverstĂ€ndnis. Der außergewöhnliche Rang dieses Direktors wurde erst im RĂŒckblick in vollem Umfang anerkannt.

3. Rolf Wedewer (1965 – 1995)

1965 trat Rolf Wedewer viel offensiver als sein VorgĂ€nger und mit dem Ziel einer möglichst kontroversen Diskussion in der Öffentlichkeit sein Amt in Leverkusen an.
Wedewer zeigte thematisch zugespitzte Ausstellungen wie „Realismus der Symptome“ (1966), „Tradition und Gegenwart“ (1966), „Fetisch-Formen“ (1967) beziehungsweise „Fetisch Jugend. Tabu Tod“ (1972). Höhepunkte seiner AusstellungstĂ€tigkeit bildeten unter anderen die Ausstellungen „Konzeption – Conception“ und „RĂ€ume – environments“, beide im Jahr 1969.
WĂ€hrend der Amtszeit von Rolf Wedewer wurde das Schloss durch den renommierten Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers aufwĂ€ndig renoviert (1981-1985). Wedewer nutzte die Wiedereröffnung zu einer glanzvollen GegenĂŒberstellung Ă€gyptischer und moderner Skulptur (1986).

4. Susanne Anna und Gerhard Finckh (1995 – 2006)

WĂ€hrend Curt Schweicher, Udo Kultermann und der frĂŒhe Wedewer starke programmatische AnsĂ€tze verfolgten, blieben Susanne Anna (1995-1999) und Gerhard Finckh (2000-2006) in ihrer Programmatik offener. Anna knĂŒpfte punktuell an Wedewers Schwerpunkt im Informel sowie an sein frĂŒhes Interesse an kontroversen Themenausstellungen an. Gerhard Finckh versuchte, auch die frĂŒhe Nachkriegsmoderne mit herausragenden KĂŒnstlern wie Andy Warhol und Robert Motherwell zu integrieren und suchte gezielt Kooperationen mit Privatsammlungen („Darlings: Bilder und Skulpturen aus privaten Sammlungen“, 2001; „Franz von Lenbach und die Kunst heute“, 2005). Besonders die publizistisch ertragreiche Zusammenarbeit mit dem Verleger Alfred Neven DuMont, dessen Sammlung von GemĂ€lden Franz von Lenbachs Finckh im Jahr 2004 im Rahmen der Ausstellung „Franz von Lenbach und die Kunst heute“ ausstellte, sowie die Verbindung mit der Landesgartenschau in Leverkusen 2005 erfuhren großen Zuspruch.

5. Markus Heinzelmann (seit 2006)

Seit 2006 fĂŒhrt Markus Heinzelmann das Museum. Als klassisch ausgebildeter Kunsthistoriker bringt er Erfahrungen aus dem öffentlichen Dienst (Sprengel Museum Hannover 1996-1999) und der freien Wirtschaft (CO Siemens AG 1999-2006) mit. FĂŒr das Sprengel Museum hat er Ausstellungen im Bereich der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst organisiert. FĂŒr die Siemens AG hat er in Kooperation mit öffentlichen Museen und Kunsthallen Themenausstellungen zur Gegenwartskunst durchgefĂŒhrt, die auf besondere Weise auf die Geschichte und den Standort der Partnerinstitutionen abgestimmt waren.
Auf der Grundlage dieser Erfahrungen und Qualifikationen hat er ein deutlich profiliertes Programm entwickelt, das speziell auf den Standort Museum Morsbroich, Leverkusen, zugeschnitten ist.

Arrondierung der Morsbroicher Institutionen

Die Organisation der Morsbroicher Institutionen, insbesondere das Zusammenspiel von Museum und Kunstverein, war im Jahr 2006 unbefriedigend, weil die EigenstĂ€ndigkeit und das Profil der einzelnen Institutionen auf verwirrende Weise vermengt waren. Zum Beispiel wurde die Studiogalerie im sĂŒdlichen NebengebĂ€ude sowohl vom Kunstverein als auch vom Museum Morsbroich genutzt. Aufgrund der geteilten Nutzung fiel es dem Kunstverein schwer, ein klares programmatisches Bild seiner TĂ€tigkeit zu vermitteln. Umgekehrt wurden die Ausstellungen des Museums in der Studiogalerie vom Publikum hĂ€ufig nicht dem Museum, sondern dem Kunstverein zugeschrieben.
DarĂŒber hinaus fiel im HauptgebĂ€ude des Schlosses die Dachetage fast vollstĂ€ndig fĂŒr den Ausstellungsbetrieb aus, weil sie als Depot genutzt wurde und weitgehend verwahrlost war. Lediglich zweieinhalb AnnexrĂ€ume wurden fĂŒr die PrĂ€sentation eines Querschnitts aus dem Nachlass Ludwig Gies genutzt, der seit 1997 dort unverĂ€ndert ausgestellt wurde.
Um beide Institutionen substanziell zu stĂ€rken und ihr programmatisches Auftreten besser erkennbar zu machen, wurde 2007 mit dem Kunstverein verabredet, dass dieser ein ganzjĂ€hriges Vollprogramm in den RĂ€umen des sĂŒdlichen NebengebĂ€udes veranstaltet. Gleichzeitig wurde die Dachetage im Schloss entrĂŒmpelt und renoviert. Im Zuge dieser Arrondierung hat das Museum rund 40% an AusstellungsflĂ€che hinzugewonnen, die seitdem als Grafiketage genutzt wird.
Auf diese Weise konnte Heinzelmann ein zentrales Anliegen seiner Museumspolitik realisieren: die intensivere BeschĂ€ftigung mit der Sammlung des Museum Morsbroich und ihre PrĂ€sentation fĂŒr das Leverkusener Publikum. Denn die Grafiketage dient seit ihrer Renovierung die eine HĂ€lfte des Jahres der PrĂ€sentation junger, experimenteller Positionen aus dem Bereich der grafischen Kunst, wĂ€hrend die andere HĂ€lfte des Jahres dort SammlungsprĂ€sentationen zu sehen sind.
Das wurde gleich zur Eröffnung der Grafiketage im Januar 2008 deutlich, als auf allen drei Ausstellungsetagen unter dem Titel „Blattgold“ die „Meisterwerke der Grafischen Sammlung des Museum Morsbroich“ prĂ€sentiert wurden. Begleitend zu dieser Ausstellung gab das Museum einen umfangreichen Katalog heraus, der die grafische Sammlung des Museums wissenschaftlich dokumentierte und abbildete.
Gleichzeitig baute Heinzelmann behutsam den Schlosspark mit ortsspezifischen Skulpturen aus, um den Besuchern Leverkusens beziehungsweise des Morsbroicher GelĂ€ndes ein Kunsterlebnis „ohne Eintritt“ zu ermöglichen. Der Brunnen des dĂ€nischen KĂŒnstlers Jeppe Hein („Water Island Morsbroich“) bietet seit dem Jahr 2010 Kindern, Jugendlichen, Brautpaaren, Kunsttouristen und SpaziergĂ€ngern gleichermaßen ein unvergessliches Wasserspiel.
Von Beginn an hat Heinzelmann also ein Konzept verfolgt, das den Standort Morsbroich in seiner Gesamtheit aufwertet. Die dort ansĂ€ssigen Institutionen wie der Kunstverein, das Museum, der Museumsshop, der Gartensaal, das Restaurant, das Standesamt, aber auch der Park als Naherholungsziel sollten möglichst gestĂ€rkt aus der Arrondierung hervorgehen, damit Morsbroich als attraktives Ziel fĂŒr die BĂŒrger der Stadt Leverkusen und ihre GĂ€ste funktioniert. Nach konservativer SchĂ€tzung besuchen 40.000 Besucherinnen und Besucher jĂ€hrlich das Morsbroicher Areal.

Die drei SĂ€ulen der programmatischen Arbeit des Museum Morsbroich:
die Sammlung des Museums ─ die Geschichte des Museums ─ der Ort als Ausgangspunkt fĂŒr Ausstellungen


GegenĂŒber dem Museum Morsbroich befinden sich die Museen in StĂ€dten wie Köln, DĂŒsseldorf oder Essen aufgrund ihres Standortes und der kontinuierlich hohen Finanzausstattung unterdessen in einem ĂŒberragenden Vorteil. Ihre TrĂ€ger haben in der Vergangenheit unvergleichlich mehr Geld in den Auf-und Ausbau ihrer Sammlungen, die Ausstattung, Neubauten etc. investiert. Die Kommunen haben verkehrliche Infrastrukturen aufgebaut, die jeweils auf die Kultur abgestimmt sind. Sie verfĂŒgen ĂŒber jahrzehntelang ausgebaute Ressourcen im Bereich Stadtmarketing und bewerben dabei weitere touristische Angebote, die das Angebot der Museen unterstĂŒtzen. DarĂŒber hinaus besitzen die Bewohner dieser StĂ€dte ein stĂ€rker ausgeprĂ€gtes SelbstverstĂ€ndnis als BĂŒrger ihrer Stadt und wenden sich aktiver den möglichen Kristallisationspunkten von stĂ€dtischem Selbstbewusstsein, BĂŒrgerstolz und Identifikation zu.
Angesichts der Tatsache, dass der Investitionsstau gegenĂŒber vergleichbaren oder grĂ¶ĂŸeren Kommunen als Leverkusen in naher Zukunft nur schwer zu beheben sein wird, betonte Heinzelmann daher von Beginn seiner Amtszeit an die Besonderheit des Ortes Morsbroich. Morsbroich ist historisch (seit 1220 belegt), architektonisch (mit Bauten aus dem 17.-19. Jahrhundert) und kunstgeschichtlich der herausragende Ort in der noch jungen Stadt Leverkusen. Hier trifft sich die BĂŒrgergesellschaft, um Ehrungen beziehungsweise Feiern von gesamtstĂ€dtischer Bedeutung zu begehen und sich mit einem besonderen musealen Angebot seiner eigenen Geschichte und ihrer Besonderheit zu versichern. Morsbroich wird von den Leverkusener BĂŒrgern nicht mit der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stadtteil identifiziert und ist damit auch nicht Bestandteil manch tief sitzender RivalitĂ€ten zwischen einzelnen Teilorten.

In Morsbroich lassen sich keine klassischen „White-Cube-Ausstellungen“ (Ausstellungen in einem neutralen, extra fĂŒr Ausstellungszwecke erbauten Raum) realisieren. Dazu sind die barocken RĂ€umlichkeiten mit ihrer vollstĂ€ndigen Durchfensterung, den Stuckdecken und den vielen TĂŒrdurchlĂ€ssen zu eigenwillig. Daher bietet sich fĂŒr das Museum Morsbroich ein Konzept an, das auf Ausstellungen setzt, die den Ort der Ausstellung im Sinne eines Alleinstellungsmerkmals besonders betonen: Es sollen möglichst viele Ausstellungen entstehen, die ausschließlich in Leverkusen oder zumindest besonders gut in Leverkusen gezeigt werden können.
Etwa die HĂ€lfte aller seit 2006 in Morsbroich gezeigten Ausstellungen beziehen sich daher explizit auf den Ort als architektonischen oder auch sozialen Raum, auf die Geschichte des Museums und ihre Verbindung zu bestimmten KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstlern oder ganz direkt auf die Sammlung des Hauses.

1. Der Ort als Ausgangspunkt fĂŒr Ausstellungen

Das SchlossgebĂ€ude dient dem Museum regelmĂ€ĂŸig als Ausgangspunkt und Thema fĂŒr seine Ausstellungen. Indem die Geschichte des GebĂ€udes und seiner Bewohner sowie dessen Architektur von den Verantwortlichen herausgehoben wird, rĂŒckt die Einzigartigkeit der Leverkusener Situation in den Mittelpunkt: Hier trifft man auf ein mit Charakter, Erfahrungen und Besonderheiten gesĂ€ttigtes GebĂ€ude, das in der Lage ist, den BĂŒrgern der Stadt und ihren GĂ€sten die Begegnung von Kunst und Geschichte zu ermöglichen.

Beispiele:
‱ Personal Affairs. Neue Formen der IntimitĂ€t (2006)
‱ Ann Veronica Janssens. An den FrĂŒhling (2007)
‱ PROJECTS: DONE. Eine Ausstellung von Candida Höfer mit Kuehn Malvezzi (2009)
‱ Frauenzimmer (2011)
‱ Rosemarie Trockel / Paloma Varga Weisz. Maison de Plaisance (2012)
‱ Zeitgespenster. Erscheinungen des ÜbernatĂŒrlichen in der zeitgenössischen Kunst (2012/2013)
‱ Thomas GrĂŒnfeld – homey. Werke von 1981 bis 2013 (2013)
‱ Zilla Leutenegger. 13 RĂ€ume – Eine Biografie in Kleidern (2013/2014)
‱ JĂ€ger & Sammler in der zeitgenössischen Kunst (2014)
‱ Jana Gunstheimer (2015/2016)

3. Die Sammlung als Ausgangspunkt fĂŒr Ausstellungen / Sammlungsausstellungen

Obwohl die Stadt Leverkusen seit 2004 den Ankaufsetat des Museum Morsbroich ausgesetzt hat, steht die eigene Sammlung hĂ€ufig im Mittelpunkt der AusstellungstĂ€tigkeit. Sie ist mit rund 600 Werken im Bereich Malerei und Skulptur sowie mit rund 4.000 Werken im Bereich der Grafik relativ klein. Neben den klassischen EinzelprĂ€sentationen sowie Übersichtsausstellungen setzt das Museum daher auch auf besondere Themenschwerpunkte wie zum Beispiel die Magie als verbindendes Element einzelner SammlungsstĂŒcke oder die Bearbeitung der Sammlung durch KĂŒnstler wie Jan Albers und Jens Ullrich.

Beispiele:
‱ VIP III. Arena der Abstraktion (2006)
‱ Blattgold. Meisterwerke der grafischen Sammlung des Museum Morsbroich (2008) und Georg Baselitz (2008)
‱ Jan Albers & Jens Ullrich: Kollekte (2009)
‱ Alfred Hrdlicka. Wie ein Totentanz (2010)
‱ Fred Sandback. Zeichnung, die man bewohnen kann (2011)
‱ Hans Salentin. Collagen mit Papier und Metall (2013)
‱ Eine Handvoll Erde aus dem Paradies. Magische Objekte aus dem Museum Morsbroich (2013/2014)
‱ Blinky Palermo. Das Grafische Werk (2014/2015)
‱ DarĂŒber hinaus pflegt das Museum Morsbroich eine beispielhafte Kooperation mit der Wiesdorfer Christuskirche, wo in den Jahren 2011 und 2014 Ausstellungen mit Werken von Rudolf Schoofs und Franz Hitzler aus dem Sammlungsbestand des Museums der Leverkusener Bevölkerung zugĂ€nglich gemacht wurden.

4. Die Geschichte des Museums als Ausgangspunkt fĂŒr Ausstellungen

Der GrĂŒndungsauftrag fĂŒr das Museum Morsbroich lautete im Jahr 1951, „stĂ€ndige Ausstellungen lebender KĂŒnstler zu veranstalten“. Nach mehr als 60 Jahren ununterbrochener AusstellungstĂ€tigkeit wird jedoch deutlich, dass das Museum in seiner Geschichte eine Vielzahl historisch bedeutender Ausstellungen durchgefĂŒhrt hat. Heute erinnert das Museum an diese Geschichte, nicht nur, um den Rang der Stadt als kulturellen Taktgeber fĂŒr Innovation und Fortschritt zu beleuchten, sondern auch um die Impulse Leverkusen fĂŒr die Gegenwart herauszuarbeiten.

Beispiele:
‱ Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell (2010)
‱ Keramische RĂ€ume. Lucio Fontana, Norbert Prangenberg, Thomas SchĂŒtte, Rosemarie Trockel, Markus Karstieß (2014)
‱ More Konzeption Conception Now (2015)

Die Morsbroicher Programmatik im Spiegel der anderen
Mit seinem DreisĂ€ulen-Modell setzt sich das Museum Morsbroich intensiv mit seiner eigenen Sammlung, dem Ort als architektonischem und sozialem Bezugspunkt und seiner Geschichte auseinander. Die Neue ZĂŒrcher Zeitung (NZZ) wĂŒrdigte diesen Ansatz bereits im Jahr 2009 in einem mehrseitigen Artikel ĂŒber die Frage nach dem zeitgemĂ€ĂŸen Umgang mit SammlungsbestĂ€nden (12.12.2009). Unter der Überschrift „Zwischen Wunderkammer und Mausoleum“ skizzierte die Autorin das Problem: „Gradmesser des Erfolgs und Argument fĂŒr staatliche Förderung ist und bleibt die Besucherquote. Wenn diese schrumpft, das Sammeln stagniert und AltbestĂ€nde weder gesichtet noch restauriert werden können, verwandelt sich das Museum in ein Mausoleum. (
) Sollte anstatt in spektakulĂ€re Neubauten und schnell vergessene Events nicht besser in den Erhalt von teilweise heruntergekommenen alten Museen und deren Sammlungen und Bibliotheken investiert werden? Wie sehen LösungsansĂ€tze aus?“
Die Autorin nennt drei Institutionen und ein Netzwerk in Deutschland, die diese Probleme idealtypisch bewĂ€ltigen, das StĂ€del Museum in Frankfurt, die Staatlichen Museen zu Berlin, die Ruhrkunstmuseen als Zusammenschluss von insgesamt 20 Museen und das Museum Morsbroich in Leverkusen: „Einige experimentierfreudige Museumsdirektoren machen vor, wie es gehen könnte. Markus Heinzelmann etwa schlĂ€gt in Wechselausstellungen sinnstiftende BrĂŒcken zwischen zeitgenössischen Kunstwerken und Arbeiten der eigenen Museumssammlung und ĂŒberzeugte die Jury des Kunstkritikerverbandes, die sein Museum Morsbroich (bei Leverkusen) zum Museum des Jahres 2009 kĂŒrte.“

Auszeichnungen und Preise
Die QualitĂ€t der Ausstellungen und der besondere Umgang mit der Sammlung, dem Ort und der Geschichte von Morsbroich hat ĂŒberregional sehr viel Aufmerksamkeit erregt. Zum allerersten Mal in seiner mehr als 60jĂ€rigen Geschichte wurden daher das Leverkusener Museum und die Arbeit, die dort geleistet wird, in den vergangenen Jahren vielfach ausgezeichnet.

1. Ausstellung des Jahres in NRW 2008
Die Auszeichnung zur Ausstellung des Jahres (WamS), die jĂ€hrlich von einer hochkarĂ€tigen Fachjury vergeben wird, gilt als wichtigste Auszeichnung an Museen innerhalb von NRW. Im Jahr 2008 wurde die von Markus Heinzelmann kuratierte Ausstellung „Gerhard Richter. Übermalte Fotografien“ zur Ausstellung des Jahres gewĂ€hlt. Sie ist in enger Zusammenarbeit mit dem in Köln lebenden KĂŒnstler entstanden und zeigte mit insgesamt 500 ausgestellten Werken erstmal ein bis dahin nahezu unbekanntes Genre im Werk von Gerhard Richter. Wegweisend war in diesem Zusammenhang auch die Kooperation mit dem Museum Ludwig in Köln. Das Museum Morsbroich und das Museum Ludwig hatten sich weit im Vorfeld der Ausstellung auf eine Synchronisierung ihrer beiden Ausstellungen – in Köln zeigte Richter eine umfangreiche Retrospektive seines Werks – geeinigt, so dass die HĂ€user in der Pressearbeit und mit Blick auf ihr Marketing erheblich voneinander profitieren konnten.

2. Deutschlands Museum des Jahres 2009
Im Jahr 2009 wird das Museum Morsbroich vom Internationalen Kunstkritikerverband (aica) zum „Museum des Jahres in Deutschland“ gewĂ€hlt. Es ist die höchste Auszeichnung, die ein deutsches Museum erhalten kann. In der BegrĂŒndung der Jury heißt es: „Am Beispiel zweier erst jĂŒngst realisierter Ausstellungen, an dem der ‚Übermalten Fotografien‘ von Gerhard Richter und an ‚Projects: Done‘, einer umfangreichen Werkschau mit den Fotografien von Candida Höfer, lĂ€sst sich das bemerkenswert hohe Niveau der AusstellungstĂ€tigkeit in Leverkusen ablesen.
Vorbildlich, bei aller HeterogenitĂ€t des Angebots, wurde eine BrĂŒcke geschlagen zwischen der eigenen Sammlung und dem Ausstellungsprogramm, somit das Publikum sorgsam herangefĂŒhrt an die jeweils aktuellsten Kunstströmungen wie das Informel, das Happening und die DĂ©collagen, die moderne Plastik oder die neue Fotografie.
Sowohl die konsequent durchgefĂŒhrte, sehr eigenstĂ€ndige Sammlungspolitik als auch die qualitĂ€tvolle, durch wissenschaftlich erarbeitete Kataloge begleitete Ausstellungsreihe des Museum Morsbroich ĂŒberzeugten die Jury.“

3. Verleihung des Justus-Bier-Preises fĂŒr Kuratoren an Doreen Mende und Markus Heinzelmann fĂŒr die Ausstellung „PROJECTS: DONE. Eine Ausstellung von Candida Höfer mit Kuehn Malvezzi“ 2010
Der einzige deutsche Preis fĂŒr Kuratoren wird gleich im zweiten Jahr seines Bestehens 2010 nach Leverkusen vergeben.
„Der Preis gilt den Arbeiten junger Kuratorinnen und Kuratoren im deutschsprachigen Raum, die ein besonderes VerstĂ€ndnis fĂŒr die Kunst des 20. und 21. JahrÂŹhunÂŹderts bewiesen haben. Die AusÂŹzeichÂŹnung wird fĂŒr die herausragende sprachliche und fachliche QualitĂ€t von Katalogtexten oder fĂŒr eine besonders gelungene editorische Leistung einer KataÂŹlogÂŹproduktion vergeben. (
) Justus Bier (1899–1990) war von 1930–1936 Direktor der Kestner Gesellschaft in Hannover. Da Justus Bier Jude war, sind seine Entlassung und das Verbot seines konsequent der modernen Kunst gewidmeten Programms immer wieder durch die Nazis gefordert worden.
Jedoch hat Justus Bier weder sein Programm geĂ€ndert, noch wurde er vom Vorstand der Kestner Gesellschaft abberufen. Im Zusammenhang mit seiner Franz Marc Ausstellung im Jahre 1936 wurde das Institut durch die Gestapo geschlossen.“ (Selbstdarstellung)

4. Bestes Ausstellungprogramm in NRW 2015 (WamS)

Das Museum als Botschafter Leverkusens


Die Arbeit in Morsbroich wird von der regionalen und besonders von der ĂŒberregionalen Presse aufmerksam begleitet und bewertet. Durch die Vielzahl der Auszeichnungen, das positive Echo auf die profilierte Leverkusener Programmatik und die dichte Berichterstattung ĂŒber die Ausstellungen entwickelt sich ein außergewöhnlich positives Bild von Leverkusen als Standort fĂŒr Gegenwartskunst. Morsbroich wird auf diesem Wege zu einem nicht zu unterschĂ€tzenden Teil des Leverkusener Stadtmarketings. WĂ€hrend die Berichterstattung ĂŒber den Chemiestandort Leverkusen beziehungsweise ĂŒber Leverkusen als Sportstadt gelegentlich kritisch eingefĂ€rbt ist und sich dadurch ein ambivalentes Bild ergibt, fĂ€llt die ĂŒberregionale Berichterstattung ĂŒber das Museum Morsbroich fast ausnahmslos positiv aus.

Eine qualifizierte Internetsuche nach den publizierten Seiten zu den bekanntesten kulturellen AktivitÀten in Leverkusen bestÀtigt mit Blick auf das Stadtmarketing die hohe Reichweite des Museum Morsbroich:

„Leverkusener Jazztage“ 178.000 Ergebnisse
„Museum Morsbroich“ 127.000 Ergebnisse
„Sensenhammer“ 36.000 Ergebnisse
„Forum Leverkusen“ 32.700 Ergebnisse
„Bayer Kultur“ 15.000 Ergebnisse
„Japanischer Garten Leverkusen“ 6.500 Ergebnisse
„Erholungshaus Leverkusen“ 4.800 Ergebnisse


Fazit und Ausblick

Das Museum Morsbroich zĂ€hlt unbestritten zu den wenigen herausragenden Kristallisationspunkten einer Leverkusener IdentitĂ€t. Als Teilbetrieb der so genannten KulturStadtLev, der unter anderem fĂŒr die Bewirtschaftung des Gartensaals, reprĂ€sentative Veranstaltung der demokratischen Organe der Stadt Leverkusen und ihrer BĂŒrger sowie den Museumsbetrieb zustĂ€ndig ist, nimmt es eine zentrale, die unterschiedlichen Interessen der Leverkusener BĂŒrgerschaft zusammenfĂŒhrende Aufgabe war. Von entscheidender, sinnstiftender Bedeutung ist dabei die Tatsache, dass die junge BĂŒrgerschaft der Stadt im Jahr 1951 das GebĂ€ude der Gegenwartskunst gewidmet und mit einem Auftrag versehen hat, der die Wunden des Nationalsozialismus heilen sollte. Auf diese Weise entstand ein einmaliges Zentrum fĂŒr eine experimentelle, internationale und durchaus herausfordernde Kunst, mit dem es der Stadt Leverkusen gleichermaßen gelungen ist, Sozial- wie Kunstgeschichte zu schreiben.
Trotz seiner im Vergleich mit anderen Kommunen bescheidenen Ausstattung ist es dem Museum gelungen, seine einzigartige Stellung bis in die Gegenwart hinein zu behaupten und damit der Stadt Leverkusen eine hohe Aufmerksamkeit im kulturellen Bereich zu ermöglichen. In den vergangenen Jahren ist das Museum mit einer FĂŒlle von Auszeichnungen und Preisen bedacht worden. Durch das Museum wird das Bild einer eindimensional auf die Chemieindustrie ausgerichteten Kommune entscheidend erweitert. Innerhalb der BĂŒrgerschaft ist das Museum ein Ort, an dem in hohem Maße bĂŒrgerschaftliches Engagement erkennbar wird, und zwar durch ein stark entwickeltes Ehrenamt sowie durch ein ausgeprĂ€gtes Vereinsleben. Durch den Museumsverein Morsbroich e.V. werden darĂŒber hinaus namhafte Zuwendungen durch private Geldgeber, bundesweite Stiftungen oder zum Beispiel das Land Nordrhein-Westfalen fĂŒr die Stadt akquiriert. DarĂŒber hinaus hat sich das Museum als eine wichtige Bildungsinstitution innerhalb der Stadt etabliert, die eine herausgehobene Rolle in der StĂ€rkung ihrer jĂŒngsten, aber auch erwachsenen BĂŒrger außerhalb der schulischen Lernorte ermöglicht.

Das Museum hat sich zu einem attraktiven Ziel fĂŒr BĂŒrger der Stadt Leverkusen und ihre GĂ€ste entwickelt. Rund 40.000 Besucher im Jahr erleben ein ausgesprochen vielfĂ€ltiges Angebot, das vom Kindergartenkind bis zum Rollstuhlfahrer, vom Ausstellungs- bis zum Restaurantbesucher, von der Politik, der Wirtschaft und der Kultur gleichermaßen genutzt wird.

Der Umgang mit dem Morsbroicher Erbe bildet eine Blaupause fĂŒr die ZukunftsfĂ€higkeit der Stadt Leverkusen. Kann man der „kreativen Klasse“ (Richard Florida) und allen BĂŒrgern dieser Stadt eine glaubwĂŒrdige Heimat geben? Das Museum Morsbroich ist der Ort, an dem sich alle Generationen, Geschlechter, Schichten und Interessensgruppen treffen können. Diesen Ort gilt es weiter zu stĂ€rken.